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Pariser Frequenzen: Rex Club, Possession und Raves an der Seine

10 Min. Lesezeit
Pariser Frequenzen: Rex Club, Possession und Raves an der Seine

Pariser Frequenzen: Rex Club, Possession und Raves an der Seine

Die elektronische Musikszene in Paris boomt. Beobachter sprechen von einem „goldenen Zeitalter“ des Clubbings in der Stadt (www.lemonde.fr). Historische Veranstaltungsorte treffen auf kühne neue Projekte: der Underground-Rex Club und La Machine du Moulin Rouge teilen sich das Rampenlicht mit frischen Open-Air-Raves unter der Périphérique und in versteckten Lagerhallen. Techno- und House-Fans genießen heute alles, von gefeierten Tanzflächen bis hin zu heimlichen Queer-Partys. Dieser Guide beleuchtet die Techno/House-Landschaft von Paris – Profile wichtiger Locations, ihre DJ-Line-ups und Soundsysteme, sowie praktische Tipps (Sperrstunden, Einlasspolitik, Publikumsverhalten, Labels/Promoter, Transport und Sicherheit).

Legendäre Clubräume

Rex Club (2. Arr.) – Im Zentrum von Paris, unter dem Kino Grand Rex, ist der Rex der Veteranen-Techno-House-Club. Time Out Paris nennt ihn „den historischen Club der Grands Boulevards“ und immer noch „unverzichtbar“ in der Szene der Stadt (www.timeout.fr). 1973 gegründet und 1988 als Nachtclub wiedereröffnet, hat der Rex viele elektronische Pioniere (Laurent Garnier, Daft Punk, Jeff Mills usw. (paris-promeneurs.com)) hervorgebracht. Heute wird hier eine Mischung aus Techno und House von französischen und internationalen Top-DJs gespielt. Jüngste Renovierungen statteten den Rex mit einem neuen D&B audiotechnik Soundsystem mit über 70 Lautsprecherpunkten aus (www.timeout.fr) – eine der besten Anlagen der Welt. Die zentrale DJ-Kanzel und die rot-neonfarbenen Treppen des Clubs schaffen eine intensive Atmosphäre. Die Resident-Nächte umfassen verschiedene Stile: Zum Beispiel spielen Greg de La Créole und Miley Serious Techno, D’Julz veranstaltet House-Partys (Bass Culture), und das Duo Camion Bazar mischt Genres (www.timeout.fr). Die Türen öffnen normalerweise gegen Mitternacht und schließen an Wochenenden (Mi/Sa) um 6 Uhr morgens (paris-promeneurs.com).

La Machine du Moulin Rouge (18. Arr.) – Hinter dem berühmten Kabarett in Pigalle ist La Machine ein weitläufiger Club auf mehreren Ebenen (4 Etagen, ~2500 m² (shotgun.live)). Seine Haupthalle „Le Central“ bietet Platz für etwa 1.000 Tänzer bei House- und Techno-Nächten (www.visitparisregion.com). Ein kleinerer Kellerraum, La Chaufferie, bietet intime Shows im Kabarettstil und Indie/Electronica-Events (www.visitparisregion.com). Bemerkenswert ist, dass La Machine die Dachterrassenlounge Bar à Bulles (2015) mit einer sonnigen Terrasse für Brunch und Live-DJs tagsüber eröffnete (shotgun.live) (www.visitparisregion.com). Dies macht La Machine zu einem „wandlungsfähigen“ Veranstaltungsort: Ein offizieller Guide weist darauf hin, dass es alles von kollektiven DJ-Sets und 90er-Revivals bis hin zu Riesenleinwand-Karaoke bietet (www.visitparisregion.com). Der Club ist Fr–Sa von Mitternacht bis etwa 6 Uhr morgens geöffnet (www.visitparisregion.com) und zu anderen Zeiten für Sonderveranstaltungen. Das Publikum ist trendig und kreativ, passend zum Bohème-Flair des Viertels. La Machine veranstaltet auch LGBTQ-freundliche Events (siehe unten).

Djoon (13. Arr.) – In der Nähe der Gare d’Austerlitz ist Djoon der Soulful-House-Tempel der Stadt. Er wurde 2003 in einem Raum mit hohen Decken, riesigen Glasfenstern und Blick auf die Hochbahn eröffnet – bewusst eine New Yorker Loft-Atmosphäre hervorrufend (www.visitparisregion.com). Hier ist der Sound warm und tief: Erwarte Afro-House, Soulful Disco, Funk und klassischen Chicago/Detroit House. Die „Soulful Sunday“-Jams am Sonntagnachmittag sind berühmt, und Freitags-/Samstagsabende ziehen sowohl französische als auch internationale DJs an. Die offizielle Tourismusseite bezeichnet Djoon als „Underground-Tempel“ der House-Musik (www.visitparisregion.com). Es ist tagsüber auch ein Treffpunkt für Brunch und Cocktails. Die Öffnungszeiten sind spät: an Wochentagen außer am Wochenende geschlossen. Er ist Fr–Sa von 23:45 Uhr bis 6 Uhr morgens und So von 7 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet (www.visitparisregion.com). DJs wie Osunlade und Kollektive wie Kapéla sind oft Headliner bei Djoon-Events.

Le Garage (13. Arr.) – Unter der Cité de la Mode an der Seine gelegen, ist Garage ein neuerer Underground-Club und Kulturraum. Er öffnet früher als die meisten anderen: um 18 Uhr für Live-Sunset-Sets aufstrebender französischer Künstler, und verwandelt sich dann nach 22 Uhr in einen Techno-Club (www.sortiraparis.com). Der Eintritt ist niedrig (ca. 5 €), was seine Indie-Atmosphäre widerspiegelt. Sortiraparis beschreibt Garage als Techno-Spot mit einem „scharfen Lineup“, das „die ganze Nacht“ dauert (www.sortiraparis.com). Die Öffnungszeiten sind ungefähr Di 18–3 Uhr, Mi 18–4 Uhr, Do 18–5 Uhr und Fr/Sa 18–6 Uhr (Schluss um 6 Uhr morgens an Wochenenden) (www.sortiraparis.com). Im Sommer veranstalteten sie BBQs und Open-Air-Festivals („La Braise“) an den Flussufern (www.sortiraparis.com). Das Party-Publikum hier ist jung und lokal, mit einem legeren Dresscode. (Wie immer in Paris entscheidet der Türsteher – aber im Allgemeinen kommt man rein, wenn man sich einigermaßen ordentlich kleidet und Sportkleidung vermeidet.)

Neue Räume und Open-Air-Raves

Abgesehen von ganzjährigen Clubs hat Paris Open-Air- und einmalige Partys angenommen. Regierung und Veranstalter haben seit der Pandemie ungenutzte Räume für große Events umfunktioniert. Die nordöstlichen Vororte beherbergen jetzt viele Techno-Areale.

Dehors Brut (12. Arr.) – Im Sommer 2019 eröffnete das Team hinter dem bekannten Barklub Concrete das Dehors Brut („draußen, roh“). Es befindet sich auf einem stillgelegten Bahngelände am Boulevard Poniatowski nahe dem Bois de Vincennes. Das Surprize-Kollektiv von Concrete leitet das Projekt (ra.co). Der Raum ist riesig (~5.000 m²) – im Wesentlichen „eine immense befreite Tanzfläche“ für Hardcore-Raver (www.lylo.fr). Die offizielle Beschreibung rühmt sich eines maßgeschneiderten Soundsystems, das für den Standort gebaut wurde, und eines „intensiven“ Techno-Lineups. Das Eröffnungswochenende dauerte von abends bis 8 Uhr morgens (ra.co). Seitdem veranstaltet Dehors Brut saisonale Techno-Partys bei Nacht (und manchmal kostenlose/After-Hour-Jams tagsüber). Erwarte wummernde Beats, eine Beschallungsanlage der Funktion-One-Klasse (wie Concrete dafür bekannt war) und eine raue Lagerhallen-Atmosphäre. Eine formelle Adresse wird erst den Ticketinhabern mitgeteilt (geheimer Türcode), um den Underground-Charakter zu bewahren.

Kilomètre25 (Puesto de Pantin) – Unter dem Boulevard Périphérique an der Porte de Pantin ist Kilomètre25 ein sommerlicher Rave-Park. Er wird von Arnaud Perrine vom Glazart Club betrieben, der auch an der Eröffnung des Mia-Mao-Lagerhauses beteiligt war (siehe Le Monde) (www.lemonde.fr). Nexus ist hier die Party-Crew: Sie füllen das Gelände unter der Autobahn regelmäßig mit Techno- und Tech-House-DJs, manchmal auch tagsüber. Dies macht Km25 zu einem der größten Open-Air-Clubs von Paris (reine Stehplätze, manchmal über 1.500 Besucher). Sein Soundsystem ist für den Einsatz im Freien optimiert und pumpt Bässe in die Betonunterführung. Partys beginnen oft am späten Abend und dauern bis zum Morgengrauen, mit einer jungen Mischung aus Einheimischen und Clubbern aus den Vorstädten. (Für den genauen Standort und die Line-ups kauft man Tickets online – Shuttles oder RER-Verbindungen über RER E/F bringen einen in die Nähe.)

Éléctricité (Quai d’Austerlitz)* – Oft einfach „Garage“ genannt (nicht zu verwechseln mit der oben genannten stadtweiten Marke Garage). Dies ist ein industrieller Keller am Seineufer (13. Arr.). Hier finden regelmäßig tagsüber Festivals und durchgehende Nachtveranstaltungen statt. Ein typischer Zeitplan: Chill House oder Disco-Sets am Nachmittag, dann ab 22 Uhr eskalierender Techno, der bis 4–6 Uhr morgens dauert. Der Buchungsstil ist DIY: Kollektive und Promoter legen lokale Talente auf. Zum Beispiel gastierte hier 2017 der französische House-Star Folamour und D’Julz (www.sortiraparis.com). Es ist ein beliebter Ort, um Lärmbeschwerden zu entgehen – die Lizenz erlaubt laute Musik bis fast 6 Uhr morgens. Dresscode und Partykultur hier sind eklektisch (alles geht, solange man tanzt), und es gibt oft keine Snacks/Bar, also bringt eigene Getränke und Wasser mit.

Weitere bemerkenswerte Orte: Sommer-Pop-ups im Parc de La Villette oder Ausstellungen veranstalten elektronische Konzerte; die langlebige Aérosolar-Synphonie auf der Seine (Mitte Juli); und Rex on the River (Boots-Events des Rex). Neue Clubs wie Mia-Mao (19. Arr.) und Club Virage (Saint-Ouen) buchen ebenfalls große DJs für Tanzfeste im Lagerhallenstil (www.lemonde.fr).

Queer-inklusive Nachtleben und Warehouse-Kultur

Pariser Clubs legen heute Wert auf Inklusivität. Viele Nächte sind explizit LGBTQ-freundlich, und freiwillige Patrouillen sorgen für respektvolles Verhalten. Zum Beispiel nennt Boiler Room Possession (gegründet 2015) „einen der wichtigsten Underground-Queer-Techno-Raves in Paris“, der Grenzen sprengt und die LGBTQ+-Tanzgemeinschaft vereint (system.boilerroom.tv). Possession-Partys finden an geheimen Orten (oft Lagerhallen) mit nur eingeladenen DJs und lebhaften queeren Publikum statt. Ähnlich veranstalten Kollektive wie Flash Cocotte (seit 2009) monatliche queere Techno-„Bacchanalien“, die oft Kostüme und Tanzperformances fördern (www.timeout.com). Und Barbi(e)turix, beschrieben als Paris' ursprüngliches lesbisches Kollektiv, veranstaltet massive Mehretagen-Partys (z.B. die „WET FOR ME“-Partys), die sich an queere Frauen richten, mit House/Techno-DJs und Burlesque-Acts (www.timeout.com).

Diese Veranstaltungen legen Wert auf Sicherheit und Einvernehmen. In Clubs wie Mia-Mao und Club Virage patrouillieren Mitarbeiter und Freiwillige in lilafarbenen Westen auf der Tanzfläche, um sicherzustellen, dass sich jeder sicher fühlt (www.lemonde.fr). Regeln gegen Belästigung sind ausgehängt (sogar auf Plakaten) – Slogans wie „Mehr Tänzer, weniger Grapscher“ sind üblich (www.lemonde.fr). Die „Secret Warehouse“-Partys der RAW-Crew verbieten explizit jegliches diskriminierende oder gewalttätige Verhalten: Ihr Flyer besagt, dass Respekt und Inklusivität grundlegend sind, andernfalls wird man entfernt (ra.co). Sie verbieten sogar Telefone und Kameras auf der Tanzfläche (fördern eine „No-Photos“-Rave-Kultur) (ra.co). Kurz gesagt, das Bewusstsein durch #MeToo und städtische Richtlinien bedeutet, dass Clubs jetzt stark auf Konsens basierende Normen durchsetzen. (Paris richtete 2014 einen Conseil de la Nuit ein, um ein sichereres Nachtleben zu überwachen, nachdem Aktivisten dies gefordert hatten (www.lemonde.fr).)

Abgesehen von offiziellen Clubs tauchen Underground-Raves in leeren Räumen auf. Diese werden oft in letzter Minute über private Listen oder soziale Medien angekündigt. Tickets oder Türcodes werden von vertrauenswürdigen Promotern ausgegeben. Solche Warehouse-Partys können leistungsstarke Funktion-One- oder Martin Audio-Anlagen verwenden und laufen oft die ganze Nacht ohne formelle Sperrstunden. Allerdings beeinflussen Sperrstunden schwierigere Buchungen: fast alle Pariser Veranstaltungsorte schließen aufgrund von Lizenzbestimmungen um ca. 6 Uhr morgens. Selbst wenn die Polizei nicht zuschaut, planen DJs ihre Set-Zeiten um diese Frist herum. Unterdessen haben Straßenfeste wie die jährliche Nuit Blanche oder lizenzierte Festivals ihre eigenen Zeitpläne.

Transport und nächtliche Sicherheit

Nach einer Party, die um 6 Uhr morgens endet, nach Hause zu kommen, erfordert Planung. Die Métro stellt ihren Betrieb kurz nach Mitternacht ein (letzte Züge gegen 0:30–1:00 Uhr, außer am Wochenende auf einigen Linien). Glücklicherweise deckt das Nachtbusnetz Noctilien Paris von etwa 0:30 bis 5:30 Uhr morgens ab (www.iledefrance-mobilites.fr). Diese 48 Linien verbinden wichtige Knotenpunkte (Gare de Lyon, Saint-Lazare, Montparnasse, Gare de l’Est usw.) und passieren viele Ausgehviertel (Bastille, Pigalle usw.) (www.iledefrance-mobilites.fr). Zum Beispiel bilden die Linien N01/N02 eine Schleife über Bastille und Champs-Élysées (www.iledefrance-mobilites.fr). Für Noctilien können Standardtickets oder -pässe verwendet werden.

Taxis und Mitfahrdienste (Uber, Bolt) verkehren ebenfalls die ganze Nacht, aber Vorsicht vor hohen Preisen oder langen Wartezeiten zu Stoßzeiten. Apps wie Benebus oder Karos (Mitfahrgelegenheiten) existieren, sind aber weniger verbreitet. Wenn Sie nach Mitternacht in weit entfernte Vororte fahren (Monsieur), beachten Sie, dass RER-Züge gegen Mitternacht halten, sodass darüber hinaus ein Taxi erforderlich sein kann. Planen Sie Ihre Route, bevor Sie den Club verlassen. Bewahren Sie Wertsachen immer sicher auf (Taschendiebe können in Zügen und Warteschlangen aktiv sein). In Clubs nutzen Sie die kostenlosen Wasserstationen (falls vorhanden) und achten Sie auf die 'Safe Space'-Freiwilligen oder das Sicherheitsteam, falls Sie Hilfe benötigen.

Am Eingang erwarten Sie strenge Ausweiskontrollen (nur ab 18 Jahren, gesetzliches Alter) und gelegentlich Dresscodes. Im Allgemeinen können gehobene Clubs den Zutritt für Sneaker oder zu legere Outfits verweigern, während Underground-Raves entspannter sind, aber oft Ticketinhabern oder vorab genehmigten Gästen den Vorzug geben. Kommen Sie frühzeitig oder lassen Sie sich auf die Gästeliste setzen, um lange Warteschlangen zu vermeiden; viele Pariser Nächte beginnen spät (Mitternacht oder 2 Uhr morgens) und steigern sich bis zum Morgengrauen.

Insgesamt balanciert die Pariser Tanzmusikszene heute Hedonismus mit Sorgfalt. Der Boom an neuen Räumen (vom berühmten Rex Club bis zu geheimen Keller-Raves) bietet mehr Auswahl denn je (www.lemonde.fr). Trotz der Sperrstunde um 6 Uhr morgens nutzen Veranstalter jede Stunde des Zeitplans optimal aus. Bekannte Labels und Crews prägen den Sound: zum Beispiel baute das Concrete/Surprize-Team Dehors Brut auf (ra.co), und Promoter wie Nexus veranstalten große Events im Km25 (www.lemonde.fr). Französische Kollektive (RAW Agency, Fvtvr usw.) bringen ebenfalls internationale Top-DJs und lokale Talente in die Pariser Playlists.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Techno- und House-Karte von Paris reichhaltig und vielfältig ist. Von der legendären Tanzfläche des Rex Club (www.timeout.fr) bis zu sommerlichen Raves am Flussufer hat jeder Veranstaltungsort seine eigene Atmosphäre, Publikumsnormen und Regeln. Mit kluger Planung (Transport, Sicherheit) und Respekt vor den lokalen Gepflogenheiten können Reisende und Einheimische gleichermaßen die „neuen Goldenen Zwanziger“ des Pariser Nachtlebens genießen (www.lemonde.fr) (www.lemonde.fr).

Quellen: Club- und Eventdetails stammen aus lokalen Medien und Guides (www.timeout.fr) (www.iledefrance-mobilites.fr), Party-Rezensionen (www.timeout.fr) (ra.co) und aktuellen Berichten über das Pariser Nachtleben (www.lemonde.fr) (system.boilerroom.tv).

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